MZ-Artikel 20.08.2002

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Hochwasser zerstört Schule

Ehemalige Landesschule Meinerzhagen verbunden mit Gymnasium im Grimma

MEINERZHAGEN · Unvorstellbare Zerstörungen hat das Hochwasser in der sächsischen Stadt Grimma angerichtet. Besonders betroffen ist davon auch das Internatsgymnasium St. Augustin. Das historische Schulgebäude liegt direkt am Ufer der Mulde, die hier viele Meter hoch über die Ufer trat und dabei weite Teile der gerade frisch renovierten Altstadt verwüstete.

Das Gymnasium St. Augustin ist eine von vier ehemaligen fürstlichen Landesschulen, deren Tradition 1968 an dem in landeskirchlicher Trägerschaft in Meinerzhagen gegründeten Internatsgymnasium "Schulpforta" weitergeführt wurde.

Christoph Illgen, ein ehemaliger Lehrer der Evangelischen Landesschule in Meinerzhagen, hat nach der Wende mehrfach Grimma und die dortige Schule besucht.

"Ich war tief betroffen, als ich jetzt Fotos und Bilder von der unvorstellbaren Zerstörung dort gesehen habe", äußerte er sich gestern gegenüber der MZ. Erst im vergangenen Jahr hatte Illgen ein Schulfest in Grimma besucht.

Das Gebäude des Internatsgymnasiums in Grimma gelangte vor einigen Jahren übrigens zu unverhoffter Publizität, als es Schauplatz eines Tatort-Krimis war. "Das Schönste daran waren damals die Aufnahmen von der unvergleichlich schönen Landschaft, die das Schulgebäude an der Ufer der Mulde umgibt. Es tut weh, wenn man jetzt sieht, wie das Hochwasser dort gewütet hat", so Illgen.

Die Ursprünge von St. Augustin gehen ins Jahr 1287 zurück. Damals wurde dort ein Kloster gebaut. Die Landesschule Grimma wurde in den Räumen dieses Augustinerklosters 1550 ins Leben gerufen. Erster Rektor wurde der bekannte Pädagoge Adam Siler. Die sächsischen Landesschulen waren in den nächsten Jahrzehnten Vorbild für viele andere Schulgründungen.

Nach dem Krieg zu DDR-Zeiten wurden die Traditionsschulen umgewandelt in staatliche Bildungseinrichtungen.

Ehemalige Schüler der fürstlichen Landesschulen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, als da waren Schulpforta bei Bad Kösen/Naumburg, St. Afra bei Meißen, Joachimsthal und Grimma, fanden sich schon in den fünfziger Jahren in Hamburg zusammen zum Zweck einer Schulneugründung im Westen. 1959 wurde der Detmolder Schulausschuss gegründet. Diese Bemühungen zur Wiederbelebung der Tradition der einstigen Eliteschulen führten schließlich dazu, dass sich 1960 die Evangelische Landeskirche von Westfalen zur Übernahme der Trägerschaft für ein altsprachlich orientiertes Internatsgymnasium bereiterklärte. Meinerzhagen wurde schließlich Standort dieser Schule, die im Mai 1968 den Unterricht aufnehmen konnte und bis 1993 ihren Internatsbetrieb aufrechterhielt.

Nach der Wende wurde Anfang der 90er Jahre auch in Mitteldeutschland die alte Tradition wiederbelebt. Seither gibt es enge Kontakte zwischen Meinerzhagen und den vier ehemaligen Fürstenschulen, so auch zu Grimma.

In Grimma hatte es 1989 erste Überlegungen zur Neugestaltung der Schule, die 1974 nach dem Antifaschisten und Kommunisten Ernst Scheller benannte worden war, gegeben, anknüpfend an die Landesschultradition. Auf Entscheidung der Schülerschaft und des Lehrerkollegiums wurde der Name "Ernst Scheller" abgelegt. Die Schule nennt sich seither "Gymnasium St. Augustin zu Grimma". Die Trägerschaft ist mittlerweile vom Land Sachsen an die Stadt Grimma übergegangen.

Die Hochwasserkatastrophe hat die Schule nun in eine Existenz bedrohende Situation gebracht. Ob und in welcher Form der Schulbetrieb in dem stark betroffenen Gebäude überhaupt wieder aufgenommen werden kann, steht zurzeit noch in den Sternen. Wir werden berichten. · -fe


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